Rererat für Frauen und Geschlechterpolitik

Warum das Frauenreferat nach wie vor benötigt wird

Unter jungen Frauen ist heutzutage die Ansicht weit verbreitet, dass Frauen nicht mehr diskriminiert werden. Und in der Tat hat sich in den letzten Jahrzehnten diesbezüglich viel getan. Frauen müssen nicht mehr die Erlaubnis ihrer Ehemänner haben, um erwerbstätig sein zu können, sie müssen sich nicht mehr auf dreckigen Hinterhoftischen von einem Kurpfuscher einer gefährlichen “Abtreibung” unterziehen und immer mehr Frauen sind an Universitäten, in der Wirtschaft und auch in der Politik vertreten und zum Teil sogar in Führungspositionen gelangt.

All dies gibt Anlass zur Freude – jedoch nicht zum Ausruhen. Nach wie vor sind in den Führungs – und Chefetagen verdammt wenig Frauen anzutreffen. In den 100 unsatzstärksten Unternehmen Deutschlands sitzt gerade mal eine Frau (!!!) im Vorstand – das ist ein Frauenanteil von 0,2 %.

Häusliche und sexuelle Gewalt trifft fast immer Frauen. Prostitution, Pornografie und Menschenhandel werden verherrlicht und sind keineswegs rückläufig. In unserem Land werden Frauen verbrannt, gefoltert, vergewaltigt und zwangsverheiratet. Und das nur aus einem Grund: weil sie Frauen sind.

Auch an unserer Universität werden Frauen in mancherlei Hinsicht benachteiligt. Das beginnt bereits bei Themen wie denen der geschlechtsneutralen Sprache in wissenschaftlichen Texten sowie dem domintanten männlichen Redeverhalten in Seminaren und Vorlesungen und dehnt sich aus bis hin zur spürbar struktureller Ungleichbehandlung von Frauen beispielsweise beim Zugang zu höheren Positionen.

Das Frauenreferat wird also nach wie vor benötigt, um als Anlaufstelle für Studentinnen , die diskriminiert werden oder sich an einem Unrecht stören, benötigt.

Warum ein neuer Name

Wir sehen die Teilung von Menschen in nur zwei Geschlechter und die damit verbundende gesellschaftlich zugewiesene Rolle als eine der größten Ursache für diese Ungleichbehandlung und legen deswegen einen weiteren Schwerpunkt unserer Arbeit darauf, geschlechtsspezifische Themen in möglichst vielen universitären und nichtuniversitären Bereichen kritisch zu diskutieren, da nur so bestehende Probleme erkannt und behoben werden können.

Unsere politische Arbeit verfolgt das ZIel, diesen Ist-Zustand zu hinterfragen und der Ursache auf den Grund zu gehen. Wir möchten gemeinsam Probleme ergründen und nach Lösungsstrategien suchen. Wir glauben, dass uns diese Arbeit nur dann gelingen kann, wenn wir aufhören in Geschlechterkategorien zu denken und das Referat für alle öffnen, die sich an diesem Prozess beteiligen möchten.

Der neue Name unterstreicht diesen neuen Aufgabenbereich des Referats und soll unter Anderem dazu verhelfen, unser Selbstverständnis nach außen zu tragen. Wir erhoffen uns so mehr Studierende zum Nachdenken und Mitmachen motivieren zu können und das Interesse an hochschulpolitischer Arbeit bei den Kommiliton_innen zu wecken.