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Veranstaltung: Intersexualität 19.06.

Dienstag, April 16th, 2013

Hallo ihr Lieben!
Zur Aufwärmung auf die uns am 19.06.2013 um 18 Uhr bevorstehende Veranstaltung zur Intersexualität anbei ein Einführungstext zum Inhalt und zum Referenten. LESENSWERT! !

Intersexualität – Intersex: Eine Intervention.

„Etliche Betroffene sind aufgrund der früher erfolgten medizinischen Eingriffe so geschädigt, dass sie nicht in der Lage sind, einer normalen Erwerbstätigkeit nachzugehen, oder sie sind infolge der Eingriffe schwer behindert.“ (Deutscher Ethikrat 2012: S.165)

„Intersexualität – Überleben zwischen den Geschlechtern“ wurde die 8. Nummer der Zeitschrift „GiGi – Zeitschrift für sexuelle Emanzipation“ aus dem Jahr 2000 betitelt. Einem Überleben kam und kommt es für die Intersexe in der aktuellen Gesellschaft tatsächlich gleich. Von Überleben muss gesprochen werden, nicht etwa weil die körperliche Besonderheit lebens- oder gesundheitsbedrohlich wäre. Das ist sie nicht, und nur in wenigen Fällen liegen tatsächlich die Gesundheit bzw. das Leben bedrohende Begleiterscheinungen wie Salzverlust vor, die medizinisch behandelt werden müssen. Eine eindeutige Geschlechtszuweisung zu weiblichem oder männlichem Geschlecht ist aber selbst dann medizinisch nicht notwendig. Sie findet derzeit bei Intersexen aber noch immer verbreitet im Säuglings- und frühen Kindesalter statt und ist verbunden mit massiven chirurgischen und hormonellen Eingriffen. Seit den 1990er Jahren gibt es gegen diese Behandlungspraxis, die auf eine Angleichung an die gesellschaftliche Norm zielt, Widerstand der so behandelten Menschen. Sie beschreiben, dass und wie gewaltvoll und traumatisierend diese Behandlungen für sie waren. Von Überleben von Intersexen muss also auf Grund zweigeschlechtlicher gesellschaftlicher Norm und der auf ihr basierenden medizinischen Interventionen gesprochen werden. Die Positionen der Intersex-Vertretungen werden von den aktuell vorliegenden medizinischen Outcome-Studien gestützt.
Im Input werden die Positionen der Intersex-Verbände und ihr Streiten vorgestellt und davon ausgehend ein Blick auf die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates und einige Ergebnisse der neueren Outcome-Studien geworfen. Abgeschlossen wird mit einem Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen und gefragt, ob mit ihnen die geschlechtszuweisenden Eingriffe beendet werden…

Biographische Notizen:
Heinz-Jürgen Voß (Dr. phil, Dipl. Biol.) promovierte zur gesellschaftlichen Herstellung biologischen Geschlechts. Forschungsschwerpunkte sind biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, biologie- und medizinethische Fragestellungen sowie Queer-feministische und kapitalismuskritische Theorien. Voß ist antirassistisch, antifaschistisch und queer-feministisch politisch aktiv. Aktuelle Buch-Veröffentlichungen: „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ (2011: Schmetterling), „Intersexualität – Intersex: Eine Intervention“ (2012: Unrast), „Interventionen gegen die deutsche „Beschneidungsdebatte“ (gem. mit Zülfkukar Çetin und Salih Alexander Wolter; 2012: Assemblage), „Biologie & Homosexualität“ (2013: Unrast).